Literatur_Typo-Druck-2zeilig

Jan Tschichold hat noch ganz jung die »Elementare Typographie« (Leipzig 1925) geschrieben. Im wesentlichen mit historischer und traditioneller Typographie befaßt, nahm seine Arbeit nach seinem ersten Besuch im Bauhaus eine völlig neue Richtung ein. Sein Bestreben war es, die Schemata herkömmlicher Typographie aufzubrechen, neue Ausdrucksweisen zu finden und zu einer weitaus experimentelleren Arbeitsweise zu gelangen wie sein Werk »Die neue Typographie« (München 1928) darstellt. Tschicholds »Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie« (Ravensburg 1960, ein Reprint ist 2001 erschienen) ist ein kämpferisches Werk, das sich vehement gegen viele Unarten in der Typographie wendet und sich engagiert für Lesbarkeit und Ästhetik einsetzt. Obwohl die darin enthaltenen Aussagen in Bezug zu ihrer Zeit gesetzt werden müssen und obwohl einige seiner Lehren nicht ganz unumstritten sind, ist das Buch auch heute noch äußerst lesenswert. »Ausgewählte Aufsätze über Fragen der Gestalt des Buches und der Typographie« (Basel 1975) ist ein Standardwerk zum Thema Buchtypographie, das erst ein Jahr nach seinem Tod aufgelegt wurde. Es ist aber auch über diesen Arbeitsbereich hinaus interessant für jeden, der mehr über die klassischen und heute oftmals in Vergessenheit geratenen Regeln guter Typographie wissen will. Stellenweise etwas dogmatisch, trotzdem unbedingt empfehlenswert. Noch ausführlicher sind die in zwei Bänden erschienen »Schriften 1925 – 1974« (Berlin 1991).

»Die intellektuelle Aufregung, die einzelne Designer bewegt, hat keinen Einfluß auf die Masse der Menschen« sagt schon Eric Gill in seinem Buch »An essay on typography« (London 1936). Ein Reprint ist 1988 erschienen.

Ganz wichtig ist das Buch »Zeichen, Symbole, Signete, Signale« (Echzell 1981) von Adrian Frutiger und Horst Heiderhoff, denn unter Umständen sind nur Sekundenbruchteile vorhanden, um grafische Inhalte zu erfassen. Unter dem Titel »Der Mensch und seine Zeichen, Schriften, Symbole, Signete, Signale« ist 2006 die zehnte Auflage erschienen. Von den beiden Autoren stammt auch »Die Zeichen der Sprachfixierung« (Echzell 1979).

Das beste und prägnanteste, was je über Typographie geschrieben worden ist, ist das Buch »Ursache & Wirkung – ein typographischer Roman« (Erlangen 1982) von Erik Spiekermann. In kurzgefaßter Form werden alle wichtigen Informationen über typographische Größen, Gestaltungsgrundlagen und Wechselbeziehungen vermittelt. Zudem ist es exzellent geschrieben, so daß die Bezeichnung »Roman« im Untertitel wirklich berechtigt ist. Auch »Studentenfutter oder: Was ich schon immer über Schrift und Typographie wissen wollte, mich aber nie zu fragen traute« (Nürnberg 1989) ist von ihm, ebenso ÜberSchrift« (Mainz 2004). Man sagt von ihm, daß er alles über Schrift weiß und daß er trotzdem in kurzen Sätzen unkompliziert reden kann. Erik Spiekermann ist einer der Gründer von »FontBook«. Dessen Geschichte ist eng verbunden mit der Geschichte der FontShops, den weltweit ersten Versandhäusern für digitalisierte Schriften.

Jost Hochuli macht in seinem Buch »Das Detail in der Typographie« (Wilmington, Mass./USA 1987) besonders deutlich, auf welche Feinheiten es beim Gestalten mit Schrift ankommt. Der Autor zeigt, welche quantitativen Aspekte zu beachten sind, wenn die Lesbarkeit optimiert werden soll. »Bücher machen« (USA 1989) zeigt in kurzgefaßter Form die wesentlichen Produktionsschritte bei der Herstellung von Büchern und die dabei zu beachtenden technischen Voraussetzungen. Die darin aufgeführten gestalterischen Grundlagen können jedem, der mit der Produktion umfangreicher Drucksachen zu tun hat, als wertvolle Hilfestellung dienen. Auch von ihm erschienen ist »Kleine Geschichte der geschriebenen Schrift« (St. Gallen 1991).

Bei dem Buch »Typographisches Gestalten« (Schwedeneck 1988)  von Manfred Siemoneit handelt es sich um eines der umfassendsten Werke zum Thema Typographie. In sehr detaillierter Weise und mit einer Vielfalt von anschaulichen Beispielen wird auf alle wesentlichen typographischen Fragen eingegangen.

Ganz anders gehen Michael Kern und Sieghart Koch heran, wie die beiden in ihrem Buch »Schrift vergleichen, Schrift auswählen, Schrift erkennen, Schrift finden« (Mainz 1991) darstellen. Es handelt sich um ein Schriftmusterbuch – nicht simpel alphabetisch nach Schriftnamen, auch nicht grob nach Klassifikationen, sondern detailliert nach Ähnlichkeit einzelner Schriften sind hier die Muster geordnet, und das auch noch in dreifacher Form: im ersten Teil in einer Gegenüberstellung mehrerer Grundtextzeilen, im zweiten Teil mit kompletten Figurenverzeichnissen, im dritten Teil mit Einzeltypen.

Friedrich Friedl, Nicolaus Ott und Bernard Stein sind Herausgeber der »Typographie – wann, wer, wie« (Köln 1998). Das Werk ist 600 Seiten stark. Ein Beispiel ist, daß der Verband Deutscher Schriftgießer Hermann Berthold 1878 mit der Herstellung eines ›Urmaßes‹ für typographische Maßsysteme beauftragt. Die Berthold AG ist damals die größte Schriftgießerei der Welt, der Prototyp des ersten Photosatzgerätes ›Diatype‹ ist 1960 das erste Seriengerät. Über 100 Jahre später gründen ›Bitstream Inc.‹ 1981 in den USA die Firma, um digital gespeicherte Schriften für DTP zu entwickeln.

Simon Garfield hat mit »Just my Type – Ein Buch über Schriften« (Berlin 2012) die Geschichte der typographischen Schriftarten verfasst. Die Einleitung ist ›Love Letters‹. Die Historie reicht von Johannes Gutenberg, der noch gebrochene Schriften benutzt, bis hin zu Windows, die mit ›Arial‹, eine serifenlose Antiqua und eigentlich eine 1960er ›Helvetica‹ benutzen, um Lizenzgebühren zu sparen (also sozusagen ›klonen‹), und die wiederum der ›Akzidenz Grotesk‹ um 1900 verdammt ähnlich sieht. Um 1530 sind erste Antiqua-Schriften durch Claude Garamond entstanden, die nach wie vor noch in Gebrauch sind. Jan Tschichold hat die Schrift Sabon etwas geglättet (um 1960), aber sie zählt zu den am besten lesbaren Buchschriften. Auch 1960 ist ein ganz anderes Genre entstanden, die ›Letraset‹: sie war nicht nur als Kinderspielzeug gedacht, sondern wurde ein wichtiger Bestandteil des Grafikdesign. So schreibt Simon Garfield von Lesbarkeit versus Leserlichkeit bis zu ›Kapitalverbrechen‹ und ›Die schlimmsten Schriften der Welt‹.